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OpenAI bringt ChatGPT Work auf den Markt

OpenAIs neues Motto mit ChatGPT Work: Weniger reden, mehr tun PhotoGranary02 / Shutterstock



OpenAI schärft seine Strategie für den Unternehmenseinsatz von KI mit der Einführung von ChatGPT Work. Dabei handelt es sich um eine neue Agenten-gestützte Plattform, um Büro- und Wissensarbeit zu automatisieren. Parallel dazu erweitert das Unternehmen die Verfügbarkeit seiner GPT-5.6-Modelle, die laut OpenAI eine höhere Leistung bei gleichzeitig geringeren Betriebskosten bieten.



Laut OpenAI kann ChatGPT Work über Anwendungen und Dateien hinweg arbeiten, lange andauernde Aufgaben ausführen, mehrere Werkzeuge koordinieren sowie Geschäftsdokumente, Präsentationen, Tabellen und sogar Websites erstellen. Mitarbeiter sollen dadurch komplexe Arbeitsabläufe an die KI delegieren können, anstatt sie Schritt für Schritt über einzelne Prompts zu steuern.



Die GPT-5.6-Modelle werden wenige Wochen nach einer zunächst eingeschränkten Vorschau nun allgemein verfügbar. Die breite Markteinführunghatte sich aufgrund von US-Regierungsauflagen verzögert. Die Regierung befürchtete mögliche Risiken im Bereich Cybersicherheit und Biotechnologie. Laut OpenAI bieten die Modelle bessere Leistungen in den Bereichen Programmierung, Büroarbeit, Cybersicherheit und Forschung – bei niedrigeren Inferenzkosten und Token-Verbrauch.



Fokus auf Wirtschaftlichkeit statt Benchmark-Rekorde



Mit der Einführung verändert OpenAI auch seine Strategie im Enterprise-Markt. Statt ausschließlich Spitzenwerte in Benchmarks hervorzuheben, rückt das Unternehmen nun die Leistung pro investiertem Dollar in den Mittelpunkt. Hintergrund sei, dass Unternehmen beim großflächigen KI-Einsatz zunehmend nicht nur auf die Leistungsfähigkeit der Modelle, sondern ebenso auf deren Betriebskosten achten.



„Wir haben GPT-5.6 darauf trainiert, aus jedem Token mehr nutzbare Arbeit herauszuholen“, so OpenAI in einer Erklärung. Das Ergebnis sei eine höhere Leistung pro Dollar: mehr erledigte Arbeit bei gleichem Budget oder vergleichbare Ergebnisse zu niedrigeren Gesamtkosten.



ChatGPT Work kombiniert GPT-5.6 mit Unternehmensintegrationen und agentenbasierten Funktionen, die es Anwendern ermöglichen sollen, mehrstufige Aufgaben über verbundene Geschäftsanwendungen hinweg auszuführen. Ziel ist es laut OpenAI, Wissensarbeit zu automatisieren und dabei gleichzeitig Governance- und Sicherheitsanforderungen von Unternehmen einzuhalten.



Die Einführung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Unternehmen die Experimentierphase hinter sich lassen und KI zunehmend in produktiven Arbeitsprozessen einsetzen. Dadurch werden die laufenden Inferenzkosten für CIOs zu einem wachsenden Problem.



„Die KI-Welle hat zwar Produktivitätsgewinne gebracht, gleichzeitig sorgt der steigende Token-Verbrauch aber auch für überraschend hohe Rechnungen in Unternehmen“, erklärt Neil Shah, Vice President Research und Partner bei Counterpoint Research. „Das zwingt Unternehmen dazu, je nach Anwendungsfall unterschiedliche Modelle einzusetzen. Leistung pro Dollar wird damit zur entscheidenden Kennzahl.“



Auch Faisal Kawoosa, Mitgründer und Chefanalyst von Techarc, sieht einen Strategiewechsel. „Die Experimentierphase der KI ist vorbei“, erklärt er. „Unternehmen können heute bereits einen konkreten Nutzen aus KI ziehen. Ob sie jedoch Teil des täglichen Geschäftsbetriebs wird oder nur ein gelegentlich genutztes Werkzeug bleibt, entscheidet letztlich die Leistung pro investiertem Dollar.“



Gestaffelte Modelle für unterschiedliche Anforderungen



OpenAI bietet GPT-5.6 in drei Ausführungen an:




Sol als Spitzenmodell für komplexe Schlussfolgerungen und anspruchsvolle Aufgaben,



Terra für klassische Enterprise-Anwendungen,



Luna für kostengünstige Einsätze mit hohem Anfragevolumen.




Nach Angaben von OpenAI erreichte GPT-5.6 Sol im Benchmark Agents’ Last Exam, der langfristige professionelle Arbeitsabläufe bewertet, einen Wert von 53,6 Punkten. Sol übertraf damit konkurrierende Frontier-Modelle bei deutlich geringeren Rechenkosten.



Die Modelle stehen ab sofort über ChatGPT, Codex sowie die OpenAI-API zur Verfügung. Das Spitzenmodell Sol kostet fünf Dollar pro Million Eingabe-Token und 30 Dollar pro Million Ausgabe-Token. Die Modelle Terra und Luna richten sich mit niedrigeren Preisen an Unternehmen, die KI in großem Maßstab einsetzen möchten.



Darüber hinaus führt OpenAI zwei neue Reasoning-Modi ein. Der Max-Modus stellt für besonders schwierige Aufgaben zusätzliche Rechenleistung bereit. Der Ultra-Modus koordiniert standardmäßig vier KI-Agenten parallel, um komplexe Arbeitsabläufe schneller zu bearbeiten.



„Ultra geht noch einen Schritt weiter, indem standardmäßig vier Agenten parallel zusammenarbeiten. Das erhöht zwar den Token-Verbrauch, liefert aber bessere Ergebnisse in kürzerer Zeit bei anspruchsvollen Aufgaben“, erklärt OpenAI.



Counterpoint-Analyst Shah sieht darin eine Entwicklung, die den Anforderungen moderner Unternehmensarchitekturen entspricht.



„GPT-5.6 gibt Enterprise-Architekten die Flexibilität, Workloads je nach Bedarf zwischen Luna und Sol zu verteilen – abhängig davon, ob Automatisierung, logisches Denken oder komplexes Schlussfolgern gefragt sind.“



Fortschritte bei Programmierung, Produktivität und Sicherheit



Nach Angaben von OpenAI erreichte GPT-5.6 Sol im Artificial Analysis Coding Agent Index einen Wert von 80 Punkten und benötigte dabei weniger als die Hälfte der Ausgabe-Token konkurrierender Modelle. Auch in den Benchmarks Terminal-Bench 2.1 und DeepSWE, die praxisnahe Softwareentwicklungsaufgaben messen, habe das Modell Spitzenwerte erzielt.



Darüber hinaus sollen die Modelle die Produktivität durch verbesserte Dokumentenerstellung sowie Integrationen mit Microsoft 365, Google Drive, Slack und Notion erhöhen.



Auch im Bereich Cybersicherheit meldet OpenAI deutliche Fortschritte: Im ExploitBench erreichte GPT-5.6 Sol 73,5 Prozent, verglichen mit 47,9 Prozent bei GPT-5.5. Im ExploitGym verdoppelte das Modell nahezu die Leistung seines Vorgängers.



„GPT-5.6 unterstützt wichtige Verteidigungsaufgaben wie sichere Codeprüfungen, Patch-Management, Bedrohungsmodellierung und Blue-Teaming“, so OpenAI.



Sicherheit bleibt ein zentrales Thema



Nach Angaben des Unternehmens verfügt GPT-5.6 über die bislang umfangreichsten Sicherheitsmechanismen. Diese kombinierten Schutzmaßnahmen auf Modellebene mit Echtzeitüberwachung und umfassende Sicherheitstests, darunter automatisierte Red-Team-Tests im Umfang von rund 700.000 GPU-Stunden.



Shah sieht insbesondere die Kombination aus Schutzmechanismen und kontinuierlicher Überwachung als möglichen Wettbewerbsvorteil im Enterprise-Markt.



Kawoosa merkt jedoch an, dass CIOs auch künftig mehr Transparenz verlangen werden, bevor sie den neuesten KI-Modellen vollständig vertrauen. „Der Wettbewerb zwischen den Anbietern großer Sprachmodelle wird anhalten. Die Hersteller werden die Sicherheitsmechanismen ihrer Konkurrenten kontinuierlich testen und herausfordern.“ (mb)



Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der Infoworld.